Sonntag, 6. September 2015

Hausdurchsuchung nach Hass-Kommentar auf Facebook

Das Schicksal eines kleinen Flüchtlingsjungen bewegt diese Woche die Welt. Und auch in den sozialen Netzwerken, war der kleine Aylan Kurdi zumindest für eine Zeit lang das wohl meist diskutierte Thema.
Ein Thema, dass nach unseren Beobachtungen allerdings schnell wieder vergessen war. Wenigstens stellten wir das am gestrigen Samstag fest. Da war in den Streams der verschiedenen Netzwerke wieder der "Alltag" eingekehrt.

Kommentare gab es viele zu den Fotos, die um die Welt gingen. Trauer um den kleinen Jungen, Mitleid mit dem Vater, der als einziges Mitglied der Familie überlebt hat... Aber auch negative Kommentare!

Hass-Kommentare, die menschenverachtender kaum sein können. Da wurde auf Facebook das Foto unter anderem mit folgendem Kommentar versehen:
"Wir trauern nicht, sondern wir feiern es."
Nach bisherigen Angaben steht hinter diesem Kommentar die Facebook-Gruppe "Berlin wehrt sich - Gemeinsam gegen Asylmissbrauch!". Weiter hieß es in dem Kommentar:
"Nur ein Flüchtling, ein Flüchtling ist zu wenig: Das Meer hat schon mehr Flüchtlinge geschluckt!"
Allerdings haben andere Facebook-Nutzer reagiert und nach einer öffentlichen Ankündigung Anzeige erstattet. Das wiederum führte am gestrigen Samstag zu einer Durchsuchung einer Wohnung in Berlin-Hellersdorf. Der 26-jährige Bewohner steht unter Verdacht, die oben genannten Kommentare veröffentlicht zu haben.

Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei wurden bei der Durchsuchung ein Computer und zwei Mobiltelefone sichergestellt. Laut Berichten verschiedener Nachrichtenmagazine wird gegen den Mann nun wegen "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener" ermittelt. Weiter heißt es, dass bei einer Verurteilung des Mannes möglicherweise mit einer Haftstrafe von drei Jahren gerechnet werden könnte.


Offensichtlich gibt es immer noch viele User, die glauben, dass das Internet ein rechtsfreier Raum ist, wo man unbedarft posten, kommentieren und Verunglimpfen darf! Dieser Fall zeigt mal wieder deutlich, dass dies nicht der Fall ist und die Behörden inzwischen auch konsequent durchgreifen. Leider gelingt das immer nur in wenigen Fällen. 


Auch Facebook selbst scheint, trotz der behördlichen Verfolgung eines Mitgliedes der Gruppe, bisher kein Interesse zu zeigen etwas zu unternehmen. So agiert die Gruppe, die selbstbewusst postet: "Die nächste neue Nazi-Partei in Berlin wird Berlin wehrt sich heißen!" abgesehen von der Ermittlung gegen ein einzelnes Mitglied weiter unbeirrt!